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Die Esskastanie – der unermüdliche Stadtbaum


Als Baumkontrolleur sehe ich viele Baumtypen: kranke Bäume, wohlgepflegte Bäume und solche, die einem schwierigen Schicksal trotzen. Einige kämpfen beharrlich, andere haben aufgegeben. Und dann gibt es die Esskastanie (Castanea sativa) – der mutige Überlebenskünstler.

In den letzten Jahren ist mir aufgefallen, dass diese Bäume selbst dann noch neue Triebe am Stamm bilden, wenn sie bereits Schäden zeigen oder die Krone schwächer wird. Fast so, als ob im Verborgenen immer noch eine Reserve arbeitet. Eine stille Kraft.

Bei vielen Baumarten sind Stockausschläge eher ein Warnsignal. Sie zeigen oft, dass die Krone nicht mehr ausreichend versorgt werden kann. Doch bei der Esskastanie gehört diese Fähigkeit seit Jahrhunderten zu ihrer Natur. Gerade in den traditionellen Kastanienregionen Europas wurde genau diese Eigenschaft genutzt. Dort entstanden sogenannte Nieder- oder Stockausschlagwälder: Die Bäume wurden regelmäßig „auf den Stock gesetzt“ und trieben immer wieder neu aus. So gewann man Holz, Pfähle oder Brennmaterial, ohne den Baum endgültig zu verlieren.

Man könnte sich fragen: Warum nutzen wir diese erstaunliche Fähigkeit nicht stärker in unseren Städten?

Gerade dort zeigt die Esskastanie großes Potenzial. Sie kommt mit Wärme und Trockenheit erstaunlich gut zurecht und wirkt selbst im Hochsommer oft noch vital, während andere Arten längst erschöpft wirken. Ihre tiefe Verwurzelung, ihre Regenerationskraft und ihre Anpassungsfähigkeit machen sie zu einem Baum, der auch mit den kommenden klimatischen Veränderungen umgehen kann.

Natürlich ist die Esskastanie nicht überall geeignet. Staunässe verträgt sie kaum, dort fühlt sie sich einfach nicht wohl. Aber dafür haben wir ja gute Kameraden wie Erle oder Weide, die mit nassen Böden viel besser zurechtkommen. Auch spätfrostgefährdete Lagen können problematisch sein, weil junge Triebe empfindlich reagieren. Doch gerade unsere Städte mit ihren wärmeren Temperaturen und oft trockeneren Standorten scheinen fast wie gemacht für die Esskastanie.

Während andere Bäume im August manchmal wirken, als hätten sie den Sommer längst satt, steht die Esskastanie oft noch voller Energie da. Sie wirkt nicht hektisch. Eher so, als hätte sie gelernt, mit schwierigen Zeiten zu leben.

Vielleicht brauchen unsere Städte genau solche Bäume. Nicht perfekte Bäume. Sondern widerstandsfähige. Bäume, die nach Rückschlägen wieder austreiben.


Baumnachwuchs zum Mitnehmen – Naturprinzip- in Aktion

Die Esskastanie (Castanea sativa) macht’s uns wirklich leicht:
Unten am Stamm wachsen kleine „Ersatzbäume“.

Kurz erklärt:

1. Jungen Austrieb auswählen
2. Unten leicht anritzen
3. Erde drüber, feucht halten
4. Warten, bis Wurzeln da sind
5. Abtrennen, einpflanzen – fertig




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